Unsere Geschichte

Aus eigenem Grabeland wurde eine Heimat, die bis heute verbindet.

Die Kolonie Ewige Heimat entstand aus der Not. 1932 schlossen sich 36 arbeitslose Familien zusammen, um sich auf eigenem Grabeland selbst zu versorgen. Aus diesem Anfang entwickelte sich eine Gemeinschaft, die bis heute besteht: rund 70.000 Quadratmeter, 165 Parzellen, mitten in Rudow.

1931

Aus der Not geboren: das Programm von 1931

Die Weltwirtschaftskrise traf Deutschland mit voller Wucht. Millionen Menschen waren arbeitslos. Im Winter 1931/32 waren es mehr als sechs Millionen.

Um die Not zu lindern, erließ die Reichsregierung unter Heinrich Brüning am 6. Oktober 1931 eine Notverordnung „zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen“. Ein Teil davon regelte die vorstädtische Kleinsiedlung und die Bereitstellung von Kleingärten für Erwerbslose.

Der Gedanke war einfach: Wer keine Arbeit hatte, sollte wenigstens Land erhalten, um Obst und Gemüse für die eigene Familie anzubauen. Allein in Berlin wurden bereits 1931 rund 1.800 Siedlerstellen vergeben. Eine davon wurde zur Keimzelle der Ewigen Heimat.

1932

Die Gründung im Jahr 1932

Im Jahr 1932 beschlossen 36 Erwerbslose, einen Verein zu gründen. Viele von ihnen waren bereits seit drei bis fünf Jahren ohne Arbeit. Was sie brauchten, war Land. Dieses stellte die Stadt Berlin zur Verfügung.

Im Mai 1932 erhielten die ausgewählten Bewerber ihre Unterpachtverträge. Die Parzellen waren jeweils 500 bis 600 Quadratmeter groß. Am 4. Juli 1932 folgten die offizielle Gründung und die Übergabe des Geländes.

Beides fand im „Juliuspark“ in Rudow statt. Das Gartenlokal verfügte über einen Tanzsaal, einen Ausschank und eine Kegelbahn. In den 1950er Jahren verfiel das Gebäude. 1957 wurde das Grundstück als öffentliches Bau- und Straßenland umgewidmet.

Auch den Namen bestimmten die Mitglieder selbst. Aus zahlreichen Vorschlägen wählte die Versammlung „Ewige Heimat“.

1932

Pacht, Darlehen und die ersten Lauben

Jedes der 36 Gründungsmitglieder erhielt von der Stadt Berlin einen Vertrag über zehn Jahre und ein Darlehen von 100 Reichsmark. Das Darlehen musste innerhalb dieser zehn Jahre zurückgezahlt werden. Jeweils zum 15. September waren 10 Reichsmark fällig.

Hinzu kam eine Jahrespacht von rund 10 Reichsmark. Sie betrug zwei Reichspfennig je Quadratmeter. Nach Ablauf der zehn Jahre verlängerte sich der Vertrag stillschweigend um jeweils ein weiteres Jahr.

Das Darlehen wurde nicht in bar ausgezahlt. Stattdessen erhielten die Pächter Gutscheine. Damit konnten sie Bauholz und Geräte für Schuppen und Lauben kaufen. Zuständig war die Firma Garske. Für deren Inhaber war das nach eigener Aussage ein schlechtes Geschäft: Ein Drittel seines Warenbestands wurde gestohlen.

Das Aufbaujahr 1932

Das Jahr 1932 war vor allem von harter körperlicher Arbeit geprägt. Eine Vermessungsgruppe teilte das Ackerland in fünf Blöcke. Rund um das Gelände wurden Zäune errichtet.

Eine Brunnenbaufirma bohrte für jeweils vier Parzellen einen Brunnen. So stand genügend Wasser für die Bewirtschaftung zur Verfügung. Beim Brunnenbau mussten die Kleingärtner selbst mit anpacken. Als Lohn erhielten sie 50 Reichspfennig. Das reichte gerade für zwei Fahrten mit der Straßenbahn.

1933–1945

Krieg und Diktatur: 1933 bis 1945

Auch in den folgenden Jahren arbeiteten die Mitglieder hart. Sie bauten Obst und Gemüse an, hielten Tiere und unterstützten einander.

Unter der NS-Herrschaft wurde der Vorstand der Kolonie mehrfach ausgewechselt. Selbst der zugeteilte Dünger war nur schwer zu bekommen. Zusammenhalt und gegenseitige Hilfe trugen die Kolonie durch diese Jahre.

1945

Neuanfang nach 1945

Im Herbst 1945, kurz nach dem Krieg, kam die erste Mitgliederversammlung wieder im „Juliuspark“ zusammen. Auf der Tagesordnung stand die Wahl eines neuen Gesamtvorstands.

Gewählt wurden Gartenfreund Lotz zum 1. Vorsitzenden, Gartenfreund Scholz zum Kassierer und Herr Adler zum Schriftführer.

1950er-Jahre

Ausbau der Infrastruktur

In den folgenden Jahren übernahmen einzelne Gartenfreunde ehrenamtlich wichtige Aufgaben. Die Gemeinschaft zog mit. So erhielt die Kolonie einen Anschluss an die Stadtwasserleitung und eine Wegebeleuchtung. Auch die Koloniewege wurden erneuert.

1961–1989

Geteilte Stadt, geteilte Parzellen

Mit dem Mauerbau im Jahr 1961 rückte Rudow an den südlichen Rand West-Berlins. Die Stadt war eingeschlossen, Bauland war knapp und die Nachfrage nach Kleingärten groß.

Bis zum Ende der Teilung wurden deshalb große Parzellen geteilt. Gartenfreunde, die ihr Gelände am „Großen Rohrpfuhl“ auf Anweisung des Grünflächenamtes räumen mussten, erhielten innerhalb der Kolonie einen neuen Platz.

Heute

Die Kolonie heute

Heute umfasst die Ewige Heimat rund 70.000 Quadratmeter mit 165 Parzellen. Das Gelände verteilt sich auf drei Blöcke:

  • Block I liegt am Rhodeländerweg.
  • Block II liegt an der Großziethener Chaussee.
  • Block III liegt zwischen Rhodeländerweg und Waßmannsdorfer Chaussee.

Geblieben ist, was die Menschen bereits 1932 zusammengeführt hat: die Gemeinschaft. Die Ewige Heimat ist ein Ort, an dem man einander hilft, gärtnert und dem Trubel der Stadt entkommt.

Ihre Geschichte zeigt, was Zusammenhalt in schwierigen Zeiten schaffen kann.

Quellenhinweis

Grundlage dieses Textes ist die Vereinschronik von Klaus Schulze aus dem Jahr 2022. Ergänzt wurde sie um historischen Hintergrund zur Notverordnung vom 6. Oktober 1931 und zur Lage Rudows am Südrand West-Berlins.